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Drei Lesungen und ein paar Gedanken dazu | Zugehört bei Mona Kasten, Bianca Iosivoni & Laura Kneidl

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mal total viele, tolle Fotos von meinen Erlebnissen der letzten Woche zu machen. Immerhin habe ich einen ganz schönen Lesungsmarathon hinter mir: Drei Lesungen innerhalb von einer Woche. Aber wie immer wurde es mit Fotos mal wieder mau und ich war viel zu gefangen vom Zuhören bei drei wahnsinnig tollen Autorinnen, die ihre Lesungen allesamt mit Bravour ablegten.

Stattdessen habe ich mir aber nach der dritten Lesung einige Gedanken zu dem Konzept dieser Veranstaltungen gemacht. Sind Lesungen am Aussterben und überholt? Was können Buchhändler besser machen, um ihre Veranstaltungen attraktiver zu gestalten? Welche Möglichkeiten haben Autoren, sich zu präsentieren? Und was wollen die Leser eigentlich – wird der persönliche Kontakt zum Autor immer wichtiger?

Wieso ich zu Lesungen gehe und welche ich besuche

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Ja, das war wirklich ein Marathon. Am 02. März fing es im Lehmanns in Leipzig an, wo Laura Kneidl aus „Berühre mich. Nicht.“ und „Verliere mich. Nicht.“ gelesen hat. Beide Bücher kannte ich bereits. Und hier stellt sich natürlich die Frage – wieso gehe ich eigentlich zu einer Lesung, bei der ich die Bücher schon kenne? Nun, ich muss zugeben, es lag einfach nah an meinem Zuhause und ich wollte Laura mal lesen hören. Eine nette Abendgestaltung – und ich konnte endlich mal mein Buch signieren lassen. Laura hat auch eine sehr angenehme Stimme, der man gern zuhört, und ich konnte sogar noch einige Buchverrückte treffen, Zeilenspringer und nette Blogger, mit denen man fangirlen konnte. Super Abend also!

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Am 03. März ging es schließlich nach Stuttgart. Fünf Stunden Zugfahrt für eine Lesung von Bianca Iosivoni mit „Der letzte erste Kuss“ und Laura Kneidl. Mit Laura haben wir uns die Zeit im Zug mit interessanten Gesprächen vertrieben, aber ich muss zugeben, am meisten habe ich mich drauf gefreut, mal wieder ein Wochenende mit meiner Liebsten verbringen zu können. Im Wittwer hatten Cara und ich schließlich auch ziemlich gute Plätze, haben brav die Lesung angehört, Fragen gestellt und abgewartet, bis die zwei Autorinnen mit den Autogrammwünschen durch waren, um mit ihnen essen zu gehen. Auch da ist mir eher der Abend danach in Erinnerung – coole Gespräche, neue Leute kennenlernen, sich austauschen und quatschen.

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Die Ernüchterung danach

fullsizeoutput_262Erst am 06. März in Frankfurt habe ich bei Mona Kastens Lesung zu „Save Me“ gemerkt, dass mich irgendetwas stört. Und das liegt wirklich nicht an den Autoren oder ihren Lesungen an sich. Auch Mona hat wirklich alles gegeben und uns den Abend über schön unterhalten. Was also hat nicht gestimmt?

Ich glaube, dass für mich persönlich das Konzept von Lesungen nicht ganz das Richtige ist. Zumindest nicht, wenn ich so viel in Social Media aktiv bin, die Autorinnen persönlich kenne und auch selbst schreibe. Denn die Publikumsfragen sind auch immer dieselben. Woher kam die Inspiration? Was tust du bei Schreibblockaden? Wie ist dies und das beim Buch entstanden? Mir fällt es inzwischen als Bloggerin einfach etwas schwer, bei solchen Fragen noch zuzuhören und die Antworten wirklich aufzunehmen. Denn im Endeffekt sind auch diese immer wieder dieselben.

Frischer Wind muss in die Lesung

Ich denke, dass für andere Zielgruppen Lesungen immer noch gut funktionieren, und ich kann auch verstehen, wieso. Wenn man sonst nicht wirklich mit Autoren in Kontakt kommt, auch nicht über Social Media, sind solche Abende noch sehr spannend und etwas Neues. Aber wenn man so viele hintereinander mitmacht, fängt man an, sich Gedanken zu machen. Ich fände es cool, wenn es auch bei Lesungen mal wieder frischen Wind geben würde. Einfach mal etwas abweichen von dem Schema „Lesung – Fragestunde – Signaturen“. Wie wärs denn mal mit einem kleinen Quiz – Autoren vs. Leser? Oder kleinen Workshops, in denen Autoren etwas über ihren Schreibprozess erklären? Oder über ihre Marketingmethoden? Oder, oder, oder … Es gäbe so viele Möglichkeiten, Lesungen aufzulockern. Verborgene Talente des Autors wären doch sicherlich auch ganz nett – ich muss da immer wieder an die Drachennächte des Drachenmond Verlags denken, bei denen es Poetry Slam, Gesangseinlagen oder Fortsetzungsgeschichten mit verschiedenen Autoren gab.

Was ich mir also wünschen würde, um Lesungen mal wieder aufzulockern, wären außergewöhnliche, spannende Aktionen, die auch Buchhändler und Fans miteinbeziehen und den persönlichen Kontakt zum Autor stärken, solange dieser das auch will. Ich denke, das kommt allen Seiten zugute und man kann den Menschen hinter dem Buch einfach mal von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Emotionen und Erfahrungen verbinden – und die Signatur ist danach ja immer noch möglich.

Trotzdem möchte ich zum Schluss noch mal betonen, dass man wirklich gemerkt hat, wie viel Mühe sich die drei LYX-Autorinnen gegeben haben. Ihre Fannähe war da und hat mich begeistert, man konnte wirklich spüren, wie sie jedem Wunsch nachzukommen versucht haben. Und es hat sehr viel Spaß gemacht, ihnen zuzuhören.

 

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8 Kommentare zu „Drei Lesungen und ein paar Gedanken dazu | Zugehört bei Mona Kasten, Bianca Iosivoni & Laura Kneidl

  1. Guten Morgen 🙂
    Vielen Dank für deinen Interessanten Beitrag ♡
    Als Buchhändler und Blogger möchte ich dir sagen, ich weiß was du meinst und ich kann deine Wünsche doch auch absolut nachvollziehen. Doch als Organisator von einigen Lesungen und Planer für die Nächsten, muss ich dir leider sagen, dass es für die Zielgruppe, die man mit Lesungen ansprechen will, eher unrealistisch ist, etwas zu ändern.
    Wir versuchen mit unseren Lesungen Aufmerksamkeit zu gewinnen, vielleicht Menschen in die Buchhandlung zu holen, die sonst nicht gehen. Aufmerksamkeit auf ein Buch zu lenken, was die Zuhörer noch nicht kennen. Oder auch einfach den Erstkontakt mit einem Autor herzustellen.
    Für jemanden der viele Lesungen besucht und viele Autoren kennt, ist das zu meist recht langweilig, aber das ist normal 🙂
    Im übrigen ist es auch nicht an den Buchhändlern, den Ablauf zu ändern. Bei den meisten Verlagen und Autoren fragt man an und bucht und bekommt dann eine Liste mit „So wird das Laufen“ und „Das müsst ihr tun“ 🙂
    Also alles nicht so einfach. Wenn aber ein Verlag kommen würde und sagen würde: „Hey wir haben ein neues Konzept oder wir bieten einen Workshop an“ würde kein Buchhändler einfach nein sagen ♡
    Ein schönes Wochenende:)
    Ella ♡

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    1. Huhu Ella,

      vielen Dank für dein Feedback! Ich kann deine Punkte echt voll verstehen – für die Zielgruppe ist das natürlich noch super und trägt sich auch weiter so. Das sollte ja auch keine Kritik an eurer Arbeit sein, ich bin mir sicher, dass da noch viel mehr dahintersteckt, als man als Besucher wirklich mitbekommt. Vielleicht können ja in Zukunft tatsächlich mal neue Konzepte mit den traditionellen Lesungen in Einklang existieren. Ein Verlag wird sicherlich mal der Vorreiter sein. 🙂

      Liebe Grüße,
      Klaudi ❤

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      1. Huhu Klaudi 🙂

        Ich würde mich freuen, wenn ein Verlag den Mut findet und etwas individuelles uns Buchhändlern anbietet.
        Ich glaube nicht, dass wir nein sagen würden 😉

        Alles Liebe,
        Ella 🙂

        Gefällt 1 Person

  2. Hallo Klaudia,
    ich habe deinen Beitrag gerade gelesen und fand deine Sicht der Dinge sehr interessant! Ich habe zwar auch einen Buchblog, aber der Kontakt zu den Autoren ist noch nicht so ausgeprägt. Außerdem habe ich noch keine klassische Lesung in einer Buchhandlung besucht, kenne also den üblichen Ablauf gar nicht. Für mich als „Otto-Normal-Verbraucher“ wäre wahrscheinlich eine klassische Lesung schon aufregend genug, ich kann aber auch verstehen, dass das nach einigen Besuchen schnell eintönig werden kann.

    Ich habe vor einigen Jahren mal eine Vorlesung auf einem Festival mit Kai Meyer und ASP besucht. Eine riesige Hangarhalle, alle auf dem Boden sitzend und um einen herum war alles in Dunkelheit getaucht. Lediglich der Tisch auf der Bühne wurde von einem Lichtkegel erhellt. Ich weiß leider nicht mehr aus welchem Buch der Autor vorgelesen hat, ich glaube es war „Arkadien erwacht“, aber die Atmosphäre hat so wunderbar zu dem düsteren Kapitel gepasst. Unterbrochen wurde seine Lesung immer wieder von den düsteren Lieder von ASP, der diese nur mit einer Gitarre vortrug. Der Sänger hatte sich vom Buch inspirieren lassen und passend dazu einige Lieder geschrieben.
    Das war schon etwas besonderes und ist mir bis heute als sehr beeindruckend im Kopf geblieben!

    Ich wünsche schonmal ein schönes Wochenende!

    LG
    Andraya

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    1. Hey Andraya,

      danke für deine Meinung ❤ Was du da beschreibst, klingt auf jeden Fall echt aufregend. Gerade solche Konzepte sind echt cool, einzigartig und passen richtig zum Buch. Davon würde ich auch sehr gern mehr sehen. Aber ich kann dir auch die klassischen Lesungen sehr empfehlen, trotz meiner "Kritik" daran. Es ist ohnehin jedes Mal ein Highlight, tolle Autoren live zu erleben 🙂

      Liebe Grüße,
      Klaudia ❤

      Gefällt 1 Person

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