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Unsterblichkeit heißt nicht, dass du ewig lebst …

Kieron Gillen: The Wicked + The Divine, Vol. 1 – The Faust Act

Gillen, Kieron - The Wicked + The Divine Vol. 1

Inhalt

Alle 90 Jahre werden 12 Götter in Jugendlichen reinkarniert. Sie sind Popstars, Musen, die Helden ihrer Zeit – und innerhalb von zwei Jahren tot. Als Laura im Jahr 2014 alle Konzerte ihrer Götterhelden abklappert, trifft sie auf Luci – und wird mitten hineingezogen in die grausame Welt der Götter ihrer Zeit. Doch Laura will nicht fort und helfen, Lucifers Unschuld an einem Mord zu beweisen. Doch die Uhr tickt gegen sie, und auch die übrigen Götter meinen es mit dem Fangirl nicht nur gut …

Quickfacts

Autor: Kieron Gillen
Zeichner: Jamie McKelvie, Matt Wilson
Titel: The Wicked + The Divine, Vol. 1 – The Faust Act
Preis: 9,99$ (Paperpack) | 7,99€ (E-Book)
(Listenpreise! Je nach Buchhandlung können diese variieren)
ISBN: 9781-6-3215019-6
Das Buch könnt ihr unter Anderem hier erwerben: (X)

Meine Bewertung

Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal bei einer Rezension vor Aufregung gezittert habe. Am liebsten würde ich in die Welt hinausschreien, dass jeder diesen Comic lesen soll, denn ich habe ihn innerhalb weniger Stunden verschlungen und will mehr! Aber was habe ich von den Machern meiner bisherigen liebsten Comicserie, der „Young Avengers“, auch anderes erwartet?

Die Story um die 12 Götter, die alle 90 Jahre wiederbelebt werden und auf der Erde gefeiert werden, stand so lange auf meinem Wunschzettel, dass ich es richtig bereue, sie nicht früher ausgegraben zu haben. Was mir bei dem Comic als erstes ins Auge gesprungen ist, sind natürlich die wahnsinnigen Zeichnungen. Ich liebe es, dass die einzelnen Panels nicht zu klein geraten sind und sich auch der Textanteil in Grenzen hält, aber immer noch genug über die Story verrät. Die Bilder sind je nach Stimmung extrem farbenfroh oder auch mal sehr düster, haben aber immer etwas mystisches an sich. Das hat meiner Meinung nach gut zu den Göttern gepasst und das Thema hervorragend aufgegriffen.

Ich muss sagen, dass ich anfangs gar nicht so richtig wusste, was mich erwartet, was das Ganze aber umso spannender für mich gemacht hat. Und das soll es auch sein, denn der Comic lädt den Leser förmlich zum Miträtseln ein – und das auf mehreren Ebenen. Im Vordergrund steht natürlich Lucifer, die Reinkarnation des Teufels. Sie ist eine wahnsinnig coole Socke, schreckt nicht davor zurück, sich an brennenden Menschen mal eine Zigarette anzustecken, und verbringt den Großteil ihrer Zeit im Gefängnis, weil sie angeblich den Kopf eines Richters hat explodieren lassen – was sie aber bestreitet. Hier kommen auch die restlichen Gottheiten ins Spiel. Wer hat den Richter wirklich getötet? Und wer hat es darauf abgesehen, auch die Götter zu ermorden?

Ich empfand die gesamte Darstellung der skurrilen, aber faszinierenden Storyline als sehr komplex, weshalb man durchaus auch fundierte Englischkenntnisse haben sollte, um mitzukommen. Leider wurde der Comic (nach meinem Kenntnisstand) bisher nicht ins Deutsche übersetzt. Das hindert aber nicht daran, die hervorragenden Wendungen mitzuerleben, verschiedenste Götter kennenzulernen und auch mal in andere Mythologien einzudringen. Meine Favoritin war neben Lucifer eindeutig Amaterasu, wobei ich Sakhmet und Morrigan auch sehr interessant fand. Alle haben sehr ausgeprägte, unterschiedliche Persönlichkeiten und gehen anders mit ihrer Göttlichkeit um, wobei sie ein Wissen verbindet: Innerhalb von zwei Jahren werden sie alle sterben. Denn der Preis ihrer Kräfte, mit denen sie Wunder wirken können (oder auch nicht?) ist ihr Tod. Um sie zu unterstützen, wacht Ananke über sie – eine sehr mysteriöse Figur, die durchaus auch mal ins Geschehen eingreift und es komplett wenden kann.

Was mich besonders fasziniert hat, waren neben der Storyline und den wahnsinnig schönen Zeichnungen (ja, ich schwärme, aber man sieht einfach die Arbeit, die reingeflossen ist, in jedem Panel!) die Trennseiten. In diesem Sammelband sind die ersten fünf Folgen zusammengefasst und zwischendurch mit einer großflächigen Zeichnung einer Gottheit abgetrennt. Außerdem werden zum Wechsel von Zeiten oder Handlungsorten auch Trenner verwendet, die in schlichtem Schwarz gehalten sind und die Symbole der jeweiligen Gottheiten beinhalten – wobei man über manche echt rätseln muss, wem sie gehören. Auch das hat mich noch stärker in die Story reingezogen und mitfiebern lassen, denn auf einem Schmierzettel habe ich inzwischen die einzelnen Gottheiten und ihre Symbole für mich festgehalten, da man leicht den Überblick verlieren kann.

Wen ich in dem ganzen Drumherum noch gar nicht erwähnt habe, ist Laura – die eigentliche Protagonistin. Man merkt, dass sie von ihrem Leben irgendwie angekotzt ist und mehr will. Trotzdem bleibt sie sehr undurchsichtig, was ich aber in diesem Fall wirklich faszinierend fand. Sie ist ein Fangirl der Götter und besucht jedes Konzert, macht auch einigen Teenagerklischees alle Ehre, aber trotzdem ist da etwas an ihr, das den Leser oft stocken lässt, weil man manchmal etwas länger braucht, um ihre Entscheidungen nachzuvollziehen. Doch ihr Ehrgeiz hat mich begeistert und auch ihre Denkweise war sehr faszinierend.

Alles in allem ist „The Wicked + The Divine, Vol. 1 – The Faust Act“ ein Comic, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Er ist stellenweise ziemlich blutig, aber hat eine sehr interessante Storyline, vielschichtige Charaktere und einige krasse Wendungen, die ich absolut nicht habe kommen sehen. Ich bin begeistert und habe mir direkt die nächsten Teile bestellt. Ein grandioses Highlight!

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7 Kommentare zu „Unsterblichkeit heißt nicht, dass du ewig lebst …

  1. Hallo Klaudia,

    The Wicked + The Divine habe ich auch noch auf meiner Wunschliste gehabt, aber nach deiner Rezension rückt der Comic um einiges nach vorne, sodass ich es mir hoffentlich bald zulegen werde. Das hört sich echt so gut an 🙂

    Liebe Grüße
    Anja

    Gefällt 1 Person

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