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Im Angesicht der Götter …

Aimée Carter: Das göttliche Mädchen

Carter, Aimée - Das göttliche Mädchen

Inhalt

Als Kate in das verschlafene Städtchen Eden zieht, hat sie nur einen quälenden Gedanken: Ihre Mutter wird sterben, und sie kann nichts dagegen tun. Doch ihr Schicksal ändert sich, als sie auf den geheimnisvollen Henry trifft. Was hat es mit Eden auf sich? Als auch noch ihre neue Freundin Ava stirbt, aber plötzlich wieder unter den Lebenden weilt, muss sich Kate entscheiden. Gibt sie Henry eine Chance und stellt sich den Prüfungen um ihre Unsterblichkeit – oder weist sie den Gott der Unterwelt ab?

Quickfacts

Autor: Aimée Carter
Titel: Das göttliche Mädchen
Preis: 9,99€ (TB) | 8,99€ (E-Book)
ISBN: 9783959671651
Verlag: HarperCollins ya!
Das Buch könnt ihr unter Anderem hier erwerben: (X)

Meine Bewertung

Das hier ist ein typisches Buch, das ewig auf meiner Wunschliste lag und durch die Neuauflage bei HarperCollins ya! endlich bei mir einziehen durfte. Ich habe mich schon ewig darauf gefreut, Aimée Carters „Das göttliche Mädchen“ zu lesen, weil es nach einer spannenden Geschichte mit vielen Verflechtungen der griechischen Mythologie klang.
Oh, wie ich mich täuschen sollte.

Fangen wir mal bei der Mythologie an, denn die war eigentlich der Hauptgrund, dass ich das Buch ins Auge gefasst habe. Griechische Götter, yay! Nur, dass sie in diesem Buch so ziemlich gar keinen Bezug zu ihrer Göttlichkeit haben. Sie alle besitzen sterbliche Formen und die 12 Olympier + Hestia + Hades bilden den Rat der Götter, werden fälschlicherweise aber auch als 14 Olympier gezählt. Na schön, meinetwegen. Es muss ja auch nicht alles hundertprozentig stimmig sein. Aber dass die Autorin den Göttern dermaßen hohe Moralvorstellungen andichtet, Hades zur Jungfrau erklärt, ihn nur schmachten und seufzen und seiner großen Liebe hinterhertrauern lässt, war einfach zu viel. Hier kam kein göttliches Feeling rüber, es werden so gut wie nie ernsthaft ihre Kräfte gezeigt und die Mythologie wird dermaßen verdreht, dass man sich fragt, ob die ganzen Änderungen nur vorgenommen wurden, um den abstrusen Plot zu erklären.

Unsere Protagonistin Kate hat hierbei den Status des göttlichen Mädchens, denn da Henry/Hades aus irgendeinem Grund ohne Persephone nicht in der Lage ist, sich aufzuraffen und seine Totenwelt am Laufen zu halten, soll sie ihm als seine Königin aushelfen. Dazu muss sie vor dem Rat der Götter sieben Prüfungen bestehen – die auf den sieben Todsünden beruhen. Wäre das Ganze nicht dermaßen abstrus, hätte ich echt lachen müssen, dass ausgerechnet die griechischen Götter zu Moralaposteln aufgezogen werden und sie in ihrer Keuschheit prüfen.

Generell waren die Prüfungen einfach enttäuschend. Ich hatte Spannung erwartet, echte Heldentaten, aber Kate verbringt einfach nur einen Herbst/Winter bei Henry auf Eden Manor, wird in hübsche Kleider gesteckt und lernt Mythologie. Mehr Handlung gibt das Buch kaum her. Plot-Twists waren extrem vorhersehbar, so auch der Mörder, der Kates Vorgängerinnen bei ihren Prüfungen sabotiert hat. Die laufen übrigens alle nur im Hintergrund ab, erst am Ende erfährt man, woraus sie bestanden. (SPOILER: Eine davon beinhaltet, dass Kate ihre Kleider teilt. Also, wenn ich damit Unsterblichkeit erlange, ist das wirklich ein winziges Opfer, eine Jeans meiner Freundin zu schenken.)

Das Einzige, was das Buch halbwegs retten konnte, war Kates Beziehung zu ihrer Mutter, die durch eine Krankheit im Sterben liegt. Wer im Prolog gut aufpasst, kann schon erahnen, worauf das hinausläuft, aber immerhin hat ihre Fürsorge Kate noch etwas Persönlichkeit verliehen. Schwächen hat sie, abgesehen von einer Wasserphobie, nämlich nicht. Sie ist gutherzig, kümmert sich um andere, opfert sich für andere auf, ist ehrlich, keusch … Realistisch sieht anders aus. Und es hat mir ernsthaft den Spaß am Buch verdorben, wie dermaßen perfekt Kate war. Da war nicht mal wirklich Spannung zwischen ihr und Henry vorhanden. Ich hätte mir eine badass Protagonistin erwartet, die heroisch ihre Aufgaben meistert, aber im Endeffekt muss Kate keinen Finger rühren, alles läuft im Hintergrund ab. Nicht zu vergessen, dass sie mit ihrer Moral hausieren geht, als wäre sie der Nabel der Welt. Slut-Shaming wird in diesem Buch hochgeschrieben, Ava trotz ihres Status als Kates beste Freundin für ihre Jungsgeschichten verurteilt und ihr die Schuld in die Schuhe geschoben, dass zwei Alpha-Männchen nicht die Fäuste bei sich behalten können.

„Das göttliche Mädchen“ ist für mich damit mal wieder ein Flop in der Sparte Mythologie-Adaption. Da ich von einer Freundin erfahren habe, wie es in den Fortsetzungen weitergeht, werde ich die auf jeden Fall nicht lesen, denn ernsthafte Charakterentwicklung oder Spannung ist auch nach diesem Buch nicht zu erwarten. Aimée Carter hat zwar einen netten Schreibstil, aber leider hat das diesen Titel auch nicht mehr retten können.

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2 Kommentare zu „Im Angesicht der Götter …

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