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Ein Leben mit der Leere im Herzen …

Kelsey Sutton: Winterseele – Kissed by Fear

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Inhalt

Elizabeth empfindet nichts. Nur die Leere findet in ihrem Herzen Platz, kein weiteres Gefühl. Doch mit ihrer Gabe, die Personifikationen der Elemente und Gefühle wahrzunehmen, kommt sie jeden Tag mit ihnen in Kontakt. Sie alle halten sich von dem leeren Mädchen fern, das nicht auf ihre Berührungen reagiert – bis auf Fear. Die Angst versucht herauszufinden, was Elizabeth zu dem machte, was sie ist. Ein gefährliches Unterfangen, in dem nicht nur Elizabeth ihr Leben lassen könnte …

Quickfacts

Autor: Kelsey Sutton
Titel: Winterseele – Kissed by Fear
Preis: 9,99€ (E-Book) | 12,99€ (TB)
ISBN: 978-3-473-58508-3
Verlag: Ravensburger
Das Buch könnt ihr unter Anderem hier erwerben: (X)

Meine Bewertung

„Winterseele – Kissed by Fear“ ist eins der Bücher, das mich von Ravensburger schon durch den mysteriösen Klappentext und das doch relativ düstere Cover überzeugt hat. Ich war unheimlich gespannt auf die Geschichte aus der Feder Kelsey Suttons, die viele Geheimnisse und Intrigen versprach. Doch was mich dann tatsächlich erwartet hat, hätte ich mir niemals so ausmalen können – denn diese Ruhe hat mich einfach erschlagen.

Es gibt Bücher, die kommen ohne viel Action aus. Ohne tollpatschige Heldinnen in jeder zweiten Szene, ohne lustige Sprüche auf jeder Seite, ohne epische Kämpfe in jedem Kapitel. Und „Winterseele“ gehört dazu. Denn was man als Leser hier empfindet, ist genau dieselbe Leere, die Elizabeth transportiert. Trotzdem ist Kelsey Suttons Schreibstil nicht gefühllos, sondern lediglich dunkel, abgeschottet und äußerst interessant.

Elizabeth ist eine Protagonistin, mit der man eigentlich das ganze Buch über Mitleid empfinden könnte. Könnte ist hier aber auch das Stichwort, denn eigentlich tut sie sich nicht einmal selbst richtig leid, obwohl ihr so viel Unrecht widerfährt. Ich habe die ganze Zeit über gehofft, dass es ihr besser gehen wird, dass sie ihre Leere abstreifen kann, und gleichzeitig um diesen Schutz gebangt, der ihre Emotionen fern hält. Denn die machen sie verletzlich – wie man schnell an den anderen Charakteren feststellt, die von den Gefühlen in ihrer Personifikation berührt und damit beeinflusst werden können.

Die Geschichte verläuft recht langsam und hier ist teilweise Durchhaltevermögen gefragt. Aber diese schleichende Entwicklung ist meiner Meinung nach wichtig, um die Story richtig zu transportieren. Wie schon gesagt geht es hier nicht um große Szenen, sondern darum, aufzuzeigen, was alles unser Tun und Handeln beeinflusst. Kelsey Sutton gelingt es, in relativ normal anmutenden Alltagsszenen immer wieder kleine Details zu streuen, die Gänsehaut verursachen, wenn Elizabeth ihre Mitmenschen und die Gefühle analysiert. Gleichzeitig ist ihre eigene Hintergrundgeschichte das wirkliche Mysterium – wie wurde sie so leer, so kalt? Was hat Fear damit zu tun? Und welche unheimliche Macht lauert in den Schatten des Waldes? Das Setting hat hier einen großen Teil dazu beigetragen, dass die Geschichte so glaubwürdig rüberkam. Die Kleinstadt, die Farmen ringsherum, die ausgeprägte Natur, der Herbst und Winter, die die bedrückende Atmosphäre schüren – alles verstärkt die Beklemmung, die man zunehmend empfindet, je weiter man in Elizabeths Welt eintaucht. Dass auch Problemthemen wie häusliche Gewalt und Mobbing aufgegriffen werden, fand ich ebenfalls interessant, allerdings hätte das meiner Meinung nach gerade im Ansatz der Hilfe dagegen stärker ausgebaut werden müssen. Durch Elizabeths Augen hat man teilweise das Gefühl, dass es etwas Unvermeidliches, gar Notwendiges ist – eine Botschaft, die mir nicht gefallen hat.

Alles in allem ist „Winterseele – Kissed by Fear“ ein Buch, für das man sich Zeit und Ruhe suchen sollte. Wer hier viel Action erwartet, sollte gar nicht erst dazu greifen, denn dieses Buch spielt eher sehr gekonnt mit den Emotionen der Leser und setzt viele Details in Szene – eine stille, aber sehr nachdenklich stimmende Lektüre, die ich wärmstens allen empfehlen kann, die Wert auf große Mysterien und ein fein ausgearbeitetes Setting sowie neue, seltsam anmutende Protagonisten legen.

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Ein Kommentar zu „Ein Leben mit der Leere im Herzen …

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