Allgemein · Bücher · fantasy · Literatur · Rezension · Roman

Was bleibt, wenn dich das Leben verrät?

Mary E. Pearson: Die Chroniken der Verbliebenen – Der Kuss der Lüge

aea76b9daf0c279a

Inhalt

Als älteste Prinzessin des Königsreichs wird Lia von ihren Eltern zu einer strategischen Hochzeit gezwungen. Ihren neuen Bräutigam hat sie noch nie gesehen, geschweige denn, dass sie sich in ihn verliebt hat. Als sie mit ihrer besten Freundin Pauline nur Stunden vor ihrer Hochzeit in ein buntes Fischerdorf flieht, erscheint ihr der Traum von der Freiheit endlich nah. Doch was hat es mit den zwei jungen Männern auf sich, die sich scheinbar zufällig in die Gegend verirren? Freund oder Verräter – Attentäter oder Prinz? Bald muss Lia feststellen, dass ihre Freiheit nichts weiter als dunkle Schatten über sie bringt. Kann sie der Gabe vertrauen, die ihr alle zuschreiben?

Quickfacts

Autor: Mary E. Pearson
Titel: Die Chroniken der Verbliebenen – Der Kuss der Lüge
Preis: 13,99€ (E-Book) | 18,00€ (HC)
ISBN: 978-3-8466-0036-8
Verlag: One
Das Buch könnt ihr unter Anderem hier erwerben: (X)

Meine Bewertung

Kann man sich in ein Buch verlieben, das erst ab der Hälfte begeisternd wurde? „Der Kuss der Lüge“ beweist ganz klar: Ja, das geht! Mary E. Pearson hat mit dem ersten Band ihrer Reihe „Die Chroniken der Verbliebenen“ gezeigt, dass man sich als Leser nicht von einem ruhigen Erzähltempo abschrecken lassen darf – durchhalten lohnt sich.

Die Protagonistin Lia hat definitiv ihren eigenen Kopf. Das wird schon am Anfang deutlich, als sie vor ihrer eigenen Hochzeit flieht und sich ein neues Leben weit ab vom Hof ihrer Eltern aufbaut. Sie ist sich nicht zu schade dafür, hart anzupacken, lernt mit Begeisterung und genießt die Zeit ohne das höfische Zeremoniell und die Intrigen, die sie lange erdulden musste. Lias Art hat mich vom ersten Moment an überzeugen können, ihr starker Wille ist ihr Vorteil und das, wofür sie viel Sympathie von der Leserseite aus einheimsen kann. Im Verlauf des Buches fiel mir auf, dass auch die restlichen Charaktere unheimlich wandelbar sind und viele Facetten besitzen. Die zwei Männer, die um Lias Aufmerksamkeit buhlen – Prinz und Attentäter – sind ebenfalls für Überraschungen gut und bringen die Story dann schließlich auch voran.

Leider gibt es zwischendurch eine große Periode im Buch, in der man wirklich durchhalten muss. Knapp 250 Seiten in der Mitte sind einem Worldbuilding gewidmet, das sehr langsam und detailreich von statten geht und mich auch dazu gebracht hat, das Buch wochenlang schleifen zu lassen. Es ging einfach nicht recht voran, mir wurde es zu langweilig. Aber dann kam dieser eine Punkt, der alles gedreht hat – dieser Plot Twist, der eine ganze Reihe an Ereignissen in Bewegung setzt. Und plötzlich saß ich bis zwei Uhr morgens im Bett und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin verknüpft hier viele lose Fäden miteinander, baut stark an Tempo auf, überfordert den Leser aber nicht.

Was ich äußerst interessant fand, war die Art und Weise, wie das Dunkel der Welt in der Geschichte beschrieben ist. Die Charaktere sind so menschlich, dass jeder helle und dunkle Seiten trägt, dass man manchmal gern den Feinden vertrauen und die Freunde wegstoßen würde. Jeder trägt Kummer und Schmerz mit sich, und Pearson lässt auch keine Gelegenheit aus, die sich dazu eignet, der Welt etwas an Grobheit und Niederträchtigkeit zu verleihen. Man wird immer wieder daran erinnert, dass dies kein Spiel ist, dass die Protagonistin ernsthaft leiden und ertragen muss, gleichzeitig aber auch ihre Stärke entwickelt und zurückschlägt. Dabei ist Lia auch kein Engel mit einem goldenen Heiligenschein. Gerade ihre Gabe, bei der lange unklar ist, was das überhaupt sein soll und ob Lia sie besitzt, hilft ihr, rational, aber auch menschlich zu handeln. Und menschlich heißt im schlimmsten Fall auch mal blutige Rache zu nehmen. Niemand wird geschont, was der Geschichte eine sehr faszinierende, aber auch erschreckende Nähe zur Realität gibt, trotz der High Fantasy Welt, die gut ausgearbeitet ist.

Den Schreibstil fand ich einigen Stellen schon etwas zu detailverliebt und ausführlich, allerdings mochte ich es, dass die Sichten variiert haben. Neben Lia erzählen auf Rafe und Kaden, Attentäter und Prinz, sowie Pauline, Lias beste Freundin, einen Teil der Geschichte mit, wobei man da als Leser auch einige Überraschungen entdeckt. Zudem gibt es immer wieder Ausschnitte aus alten Überlieferungen und Legenden, die erst nach und nach einen Sinn ergeben und wundervoll konstruiert sind. Ich liebe diese Art von Rätseln und bin gespannt, wie dieses im nächsten Buch fortgesetzt wird. Denn eins ist klar: Mit dem spannungsgeladenen, sehr offenen Ende hat Mary E. Pearson mich angefixt. „Die Chroniken der Verbliebenen“ haben als Reihe großes Suchtpotenzial.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Was bleibt, wenn dich das Leben verrät?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s