Jennifer E. Smith: Dich immer wiedersehen

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Inhalt

Ausgerechnet an einem der heißesten Tage des New Yorker Sommers bleibt ein Fahrstuhl in einem Appartmentgebäude stecken. Während des Stromausfalls, der die ganze Stadt, de niemals schläft, lahm legt, sitzen dort zwei Menschen drin, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Lucy ist still, eine Träumerin ohne Freunde, dafür aber mit viel Reiselust. Owen hingegen hat gerade einen wichtigen Teil seines Lebens verloren und tut sich in der neuen Heimat New York schwer. Was folgt ist eine Nacht voller Zauber und Dunkelheit, eine Nacht mit den Sternen, die sonst vom Licht der Großstadt überstrahlt werden. Doch jede Nacht findet mal ein Ende, so wie auch diese – und Owen und Lucy müssen verstehen lernen, dass Distanz ebenso wie Heimweh nicht unbedingt an Orte gebunden sein muss…

Quickfacts

Autor: Jennifer E. Smith
Titel: Dich immer wiedersehen
Preis: 12,99€ (E-Book) | 17,99€ (HC)
ISBN: 978-3-551-55659-2
Verlag: Carlsen
Das Buch könnt ihr unter Anderem hier erwerben: (X)

Meine Bewertung

Selten passiert es mir, dass ich reine Liebesgeschichten so ansprechend finde, dass ich das Buch als Rezensionsexemplar anfrage. Als ich jedoch gesehen habe, dass „Dich immer wiedersehen“ auf Netgalley steht, wollte ich es einfach mal probieren, denn Jennifer E. Smith hat mich als Autorin schon lange gereizt und ich war wirklich gespannt, endlich mal eines ihrer Bücher zu lesen. Dass mich dieser Titel jedoch emotional so mitnehmen würde, hätte ich wirklich nicht erwartet.

Gleich zu Anfang lässt sich sagen: Dieses Buch hat etwas Magisches, etwas Altes, etwas Stilles und Melancholisches. Magisch: Die traumhaften Szenerien. Alt: Der Postkartenstil einiger Kapitel. Still: Die Protagonisten. Melancholisch: Die Geschichte. Diese vier Faktoren verschmelzen zu einem Buch, das mich nicht so einfach loslässt. Ich habe die Protagonisten in den ersten Kapiteln ins Herz geschlossen, die Story eingesaugt und das Buch oft verflucht, aber umso inniger geliebt.

Die Geschichte ist eigentlich denkbar einfach: Lucy und Owen treffen sich während eines Stromausfalls unfreiwillig im selben Aufzug und wandern nach ihrer Befreiung durch das plötzlich stille New York. Beide haben mit ihren Familien keine einfache Vorgeschichte, beide haben viel Schmerz zu verkraften, und beide spüren sofort die Anziehung zwischen ihnen. Wo ich normalerweise Instalove kritisiere, muss ich hier gestehen, dass ich sie genossen habe, denn ebenso wie die sanft dahinschleichende Tragik der Geschichte hat sie etwas Zartes, ganz Zerbrechliches, sodass man sich kaum traut, die Augen für ein Blinzeln zu schließen, um bloß nichts zu verpassen oder zu zerstören. Diese Liebesgeschichte sollte eigentlich zum Scheitern verurteilt sein, über Kontinente hinweg, während sich Lucy und Owen doch gerade erst kennengelernt haben – und doch zeigt das Buch, dass Heimat nicht unbedingt ein Ort sein muss. Heimat kann auch ein Mensch sein, sodass man mit Heimweh ins Bett geht, wenn man doch längst „zu Hause“ ist.

Jennifer E. Smith versteht es wirklich, Atmosphäre zu erschaffen, sei es bei den Beschreibungen der Reisen und der neuen Orte, die sie vermittelt, oder bei den Gefühlen der Protagonisten, die gar nicht allzu genau geschildert werden, dem Leser aber trotzdem völlig klar sind. Dabei gewinnt das Buch etwas wahnsinnig Melancholisches, in dem sich wohl auch viele Leser wiederfinden können. Hier geht es nicht nur um eine reine Liebesgeschichte, hier geht es um Abschied und Verlust, um Heimat und Geborgenheit, um zurücklassen und zurückgelassen werden. Kurz, es ist eine Geschichte mit viel emotionaler Wucht, bei der man auch den Schreibstil entweder lieben oder hassen kann. Ich fand gerade die Kapitel sehr schön, die abwechselnd Lucy und Owen behandeln und dabei immer wieder Bezug aufeinander nehmen, indem sie zum Beispiel in der Länge oder an den Formulieren aufeinander abgestimmt sind. Die Aufteilung des Buches in fünf Abschnitte mit kurzen Titeln ist ebenfalls bezaubernd und sehr harmonisch, und rührt gerade dann sehr tief im Emotionstopf, je näher man dem Ende kommt und je mehr Gewicht Worte wie „Überall“ und „Nirgendwo“ bekommen.

„Dich immer wiedersehen“ hat es geschafft, mich vollkommen für sich einzunehmen, und es wird sicherlich nicht das letzte Buch von Jennifer E. Smith sein, das ich anrühre. Lucy und Owen haben mich verzaubert und so herzlich in ihre Reise aufgenommen, dass Heimat nun gewiss keine seichte Phrase mehr für mich ist.

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14 Gedanken zu “Hier und dort und überall gehört die Welt den Heimatfindern…

  1. Ach schön! Ich habe mich sehr gefreut, deine Rezension zu lesen, da mich das Buch auch auf den ersten Blick neugierig gemacht hat 😊 Dann werde ich wohl danach greifen, sobald es mir im Buchhandel über den Weg läuft 😄
    Wünsch dir einen schönen Abend! Liebe Grüße,
    Anna

    Gefällt 1 Person

    1. Argh, das Buch hab ich schon soooo lange auf der Wunschliste, aber man kriegt es ja kaum noch im Hardcover… Vielleicht hol ich es mir einfach als E-Book. Oder es wird weitergesucht, aber lesen will ich es auf jeden Fall! *_*

      Gefällt 1 Person

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