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Wenn deiner Seele keine Ruhe vergönnt ist…

Marie Graßhoff: Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln

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Inhalt

In ihrem komfortablen Leben fühlt sich Mara seit Jahren wohl. Längst hat sie vergessen, dass sie sich seit Jahrhunderten auf der Flucht befindet, vor den Wächtern des Systems davonrennt, die durch die Tilgung ihrer Seele dem System und allen anderen Lebewesen den Weg zum vollendeten Glück ebnen wollen. Doch als sie mit eigenen Augen die Gefahr erkennt, in der sie schwebt, verändert sich ihr Leben für die Ewigkeit. Eine zerstörte Welt, eine alte Liebe und mehr Leid, als eine gezeichnete Seele tragen kann, erwarten Mara auf ihrer Reise, und die ewige Gewissheit, dass sie sich nur opfern müsste, um selbst denen zu helfen, die sie verachten…

Quickfacts

Autor: Marie Graßhoff

Titel: Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln

Preis: 2,99€ (E-Book) | 18,99€ (Taschenbuch)

ISBN: 978-1505326147

Das Buch könnt ihr unter Anderem hier erwerben: (X)

Meine Bewertung

Ich muss gestehen, dass ich an dieser Rezension schon einmal gescheitert bin, weshalb dies nun ein neuer Versuch ist. Marie Graßhoffs Werk habe ich nun zum zweiten Mal förmlich inhaliert, und mich in die Welt hinabfallen lassen, die mich jedes Mal wieder verzaubern und gleichzeitig erschüttern kann. Denn „Kernstaub“ ist keine leichte Kost, und wird einige wohl schon mit seiner enormen Länge abschrecken, auch wenn es für mich gerne nochmal das Doppelte hätte sein können.

„Kernstaub“ lebt in vielen seiner Facetten hauptsächlich von Marie Graßhoffs poetischem Schreibstil. Die Autorin versteht es, Worte neu aneinanderzureihen, sie zu Klangkonstrukten zusammenzufügen, die harmonischer nicht sein könnten, und ich bin wirklich froh, dass ich das Buch wieder digital gelesen habe, denn so konnte ich mir meine Lieblingssätze markieren (von denen es übrigens 58 wurden – und ich hab mich noch angestrengt zurückgehalten), ohne dass ich zu Markern greifen musste. Ich liebe diesen nachdenklichen Sprachstil, bei dem man gerne immer wieder an einzelnen Phrasen verweilt und sie wieder und wieder liest, weil sie sich einfach so schön anhören.

Die Geschichte an sich ist zumindest insofern wahnsinnig komplex, als dass man das System, das die Autorin erschafft, nicht auf den ersten Blick komplett versteht. Hier empfehle ich wirklich, aufmerksam zu lesen und sich innerlich Notizen zu machen, denn der Weltentwurf ist gespickt mit vielen Details, und auch die Historie der Welt, die mit Kriegen und Kämpfen durchzogen ist, hat es in sich. Trotzdem wird man nicht mit Informationen überschüttet, sondern bekommt sie, ebenso wie Mara, größtenteils häppchenweise mit.

Die Charaktere machen im Buch eine große Entwicklung durch, und es gibt eine Vielzahl von ihnen, an die man sein Herz hängen kann. Ich persönlich bin ein großer Fan der Protagonistin Mara, aber auch der gutmütigen, sanften und doch entschlossenen Ärztin Sia. Sehr positiv finde ich, dass durch die wechselnde Erzählperspektive und Zeit auch die Nebencharaktere näher beleuchtet werden und man ihre Geschichte somit gut nachvollzieht, weshalb ihre Entscheidungen und ihr Verhalten auch klarer werden.

Die Story an sich erscheint zwar bei der Länge des Buches sicherlich auf den ersten Blick als sehr erdrückend, aber im Endeffekt wird sie sehr ruhig angegangen, und auch die einzelnen Plotpunkte sind gut strukturiert. Am Ende werden viele lose Enden noch zusammengeführt, was zu zusätzlicher Spannung verhilft, bei der man das Buch bzw. den Reader nur schwer aus der Hand legen kann, aber gleichzeitig ist es auch offen genug, dass ich nun schon seit Monaten auf den zweiten Teil warte.

Ich kann „Kernstaub – Über den Staub an Schmetterlingsflügeln“ eigentlich jedem empfehlen. Der wilde Genre-Mix ist hierbei wirklich entscheidend, entweder man mag es, oder man mag es nicht. Entweder mag man den verträumten, sehnsuchtsvollen Schreibstil, oder man mag ihn nicht. Dieses Buch ist eine wilde Achterbahnfahrt, man kann mit den Charakteren mitfiebern, wenn man den Draht zu ihnen findet, was aber sicherlich auch nicht jedem gelingen wird – ich kann euch nur raten, traut euch ran, probiert es aus, seht selbst, welche unglaubliche Welt auf die Entdeckung durch weitere, neugierige Leser wartet. Ich für meinen Teil warte jetzt ungeduldig darauf, endlich den zweiten Teil, „Weltasche – Über das Gift an Quallenmembranen“ als Testleserin in die Hände zu bekommen, und zu sehen, was Marie Graßhoff dort wieder gezaubert hat und wie es mit meinen Lieblingen weitergeht.

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