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Das Leben am Limit – sterbenswert?

Martina Rosenberg: Anklage: Sterbehilfe – Machen unsere Gesetze Angehörige zu Straftätern?

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Inhalt

Im Juni 2012 verurteilt ein deutsches Gericht einen jungen Mann, der seine Mutter getötet hat. Jahrelang lag sie im Pflegeheim, nachdem sie bei einem schweren Unfall eine Schädel-Hirn-Verletzung davongetragen hat. Alle in der Familie und im Bekanntenkreis sind sich sicher: Katharina hätte so nicht leben wollen, nicht als Pflegefall, nicht im Wachkoma. Jan, der Angeklagte, fühlte sich von allen im Stich gelassen – von den Gesetzen, der Bürokratie, der Politik und der Gesellschaft. Was hat ihn zu dieser unwiderruflichen Tat bewegt? Und könnte diese sogar gerechtfertigt sein?

Quickfacts

Autor: Martina Rosenberg

Titel: Anklage: Sterbehilfe – Machen unsere Gesetze Angehörige zu Straftätern?

Preis: 19,99€ (HC)

ISBN: 978-3-7645-0502-8

Verlag: Blanvalet

Das Buch könnt ihr unter Anderem hier erwerben: (X)

Meine Bewertung

Das äußerst aufrüttelnde Buch „Anklage: Sterbehilfe – Machen unsere Gesetze Angehörige zu Straftätern?“ beschäftigt sich mit einem der Themen, die in Deutschland hin und wieder sehr kontrovers diskutiert werden. Die Meinungen sind gespalten, doch Martina Rosenberg maßt sich nicht an, hier dem Leser eine eindeutige Meinung zum Thema vorzugeben. Ihr Bericht, der zwischen eigenen Empfindungen und der Erzählung von Jans und Katharinas Leben hin und her schwenkt, ist hingegen voller Fragen, die schon im Titel beginnen. Fragen, wie es dazu kommen konnte, dass ein junger Mann seine eigene Mutter tötet und dann ins Gefängnis kommt. Fragen, wieso er sich so vom Gesetz und den Beratern allein gelassen fühlte. Fragen, ob man in diesem Fall von Schuld sprechen kann.

Als Jurastudentin, die sich auch privat für dieses Thema interessiert, hat mich der Fall schon vor einigen Jahren neugierig gemacht. Der Einblick in Jans Seele, die er der Autorin offenbart, in seine Vergangenheit und seine Hilflosigkeit, reizte mich schließlich sehr. Dieses Buch war somit eine gute Lektüre, leicht zu lesen und noch dazu sehr schnell, aber geblieben sind die Überlegungen, das Nachdenken, das Martina Rosenberg mit ihrer sehr persönlichen Schilderung des tragischen Falls anregt. Dass die Tat, wie sie ausgeführt wurde, rechtlich und menschlich untragbar ist, sollte jedem klar sein. Doch tatsächlich tun sich in diesem Buch auch die Fragen auf, die den Leser nicht mehr loslassen: Was würde ich wollen, wenn ich in so eine ausweglose Situation käme – als Angehöriger und als Patient? Hier pocht die Autorin – zurecht, wie ich finde – auf eine Patientenerklärung, die als Vorsorge gilt, und es den Angehörigen im Zweifelsfall leichter macht, das Sterben oder Leben durchzusetzen.

Obwohl das Buch zum Teil sehr nüchtern geschrieben ist, ohne großes Trara und riesige Ausführungen, erhält man einen guten Einblick in die Familienstrukturen des Täters und auch in die Schwierigkeiten, die solch ein Unfall nach sich zieht. Lange bürokratische Prozesse, wenig Unterstützung von Experten, Pflegepersonal, das sich bei der Beratung quer stellt und mit dem erhobenen Zeigefinger droht. Mich hat das Thema sehr getroffen, und auch Martina Rosenbergs Überlegungen dazu, in denen sie aufzeigt, wie sehr man die Familie in diesem Fall auch im Stich gelassen hat. Das fängt beim behandelnden Arzt an und hört bei der Betreuerin auf, die Katharina schließlich zugeteilt bekommt, als ihr Ehemann es nach einen Burn-Out nicht mehr schafft, sich um ihre rechtlichen Angelegenheiten zu kümmern. Dass das Wohl des Patienten und Katharinas Wille hier nicht im Vordergrund standen, ist glasklar.

Insgesamt hat mich das Buch sehr nachdenklich gestimmt. Dass es einen wahren Fall schildert, der nach einer kurzen Internet-Recherche für jeden zugänglich ist, macht es umso realer und greifbarer, und gibt Einblicke in das Leben der Betroffenen, die etliche Reporter nicht bekamen. Martina Rosenberg, die ihre Mutter selbst jahrelang gepflegt hat,  geht mit dem Thema sehr sensibel um, und lässt dem Leser auch die Wahl, wie er Jan unds seinen Fall wahrnimmt. Dass er eine moralisch falsche Tat begangen hat, lässt sich zwar nicht bestreiten, aber inwiefern man ihn dafür verurteilt, liegt beim Leser selbst. Daher würde ich jedem, der sich für das Thema interessiert und einen konkreten Fall kennenlernen möchte, dieses Buch ans Herz legen.

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