Carolin Kippels: Gegen das Zwielicht

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Inhalt

Asher ist der Partykönig schlechthin und der Sohn des Regenten der sieben Bezirke. Nach einer nuklearen Katastrophe wurden diese etabliert, um den Menschen Sicherheit vor den wilden Völkern zu bieten. Asher interessiert sich jedoch herzlich wenig für die Politik, und noch weniger für die Armut, in der ein Großteil der Menschen lebt – Menschen wie Sichem. Als er angeklagt wird, eine Wache geschlagen zu haben, rettet ihm ausgerechnet die ruhige, kluge Klara, Ashers Halbschwester, das Leben und gibt ihm die Möglichkeit, eine Karriere als Soldat zu starten. Jahre später sieht er sie, Asher und ihre Schwester Blaire wieder, und steigt zu ihrem Leibwächter auf, um sich bei ihr zu bedanken. Die Ereignisse nehmen in dem zerrütteten Staat ihren Lauf, als Sichem von einer Rebellengruppe angeheuert wird und Asher ein Opfer bringen muss, um nach dem Tod seines Vaters Regent zu werden. Schon bald stellt sich die Frage: Wer wird leben, wer wird sterben?

Meine Bewertung

Als ich diese Geschichte innerhalb eines Tages komplett gelesen habe, musste ich am Ende erstmal schlucken. Wer auf Dystopie mit Liebesgeschichten und einem ultraglücklichen Happy End steht, ist nämlich bei „Gegen das Zwielicht“ komplett an der falschen Stelle. Wer sowas sucht: Legt dieses Buch aus der Hand. Carolin Kippels Weltentwurf ist düsterer als viele andere Bücher dieses Genres, und lässt wohl niemanden kalt, wenn sie mit neuen Geschehnissen schockt, bei denen man als Leser immer wieder in der eigenen Moral gefordert wird.

Die Geschichte an sich ist wirklich gut gemacht, auch wenn sie anfangs immer mal wieder ein wenig an „Die Tribute von Panem“ erinnert. Das Grundsetting fügt sich somit sehr gut in die typische Dystopie ein, allerdings gelingt es der Autorin, hier wirklich nicht zu schnell Besserung ins System zu bringen. Viel eher geht es darum, die Abgründe der Menschen aufzuzeigen, und das Buch zeigt auch hervorragend, wie sich die Geschichte wiederholt und immer wieder dieselben alten Probleme entstehen, angetrieben durch die Machtgier der Herrscher, die anfangs nur das Beste wollen.

Ich bin mir sicher, dass mir die Geschichte noch besser gefallen hätte, wenn ich wirklich einen Draht zu den Charakteren bekommen hätte. Dies bleibt für mich das größte Manko an dem Buch: Eine Geschichte, die aus sechs Sichten erzählt wird, gibt leider nur wenig Einblick in die Gefühlswelt der Charaktere. Teilweise waren sie mir ein wenig zu flach, durchliefen zu wenig Entwicklung, auch wenn sie immer wieder in schwierige Situationen geworden wurden. Ausnahmen bleiben dabei Asher und Psycra, ein Mädchen, das von den Wilden angegriffen und verletzt wurde. Sie war mir mit die Sympathischste im Buch, allerdings bekommen die Charaktere einzeln einfach zu wenig Spielzeit, um wirklich glänzen zu können. Dies hätte verhindert werden können, wenn man in die Ich-Perspektive gewechselt wäre, anstatt der dritten Person, oder einfach durch die Begrenzung der Protagonisten. Für meinen Geschmack hätte es völlig gereicht, wenn Sichem, Klara und Louis, Psycras Gefährte und ein gefährlicher Pyromane, die Geschichte getragen hätten.

Auch der Einstieg war für meinen Geschmack etwas langgezogen, aber man hatte zumindest dort die Chance, die Charaktere ein wenig kennenzulernen. Viele der Sachen, die dort geschehen sind, wären allerdings nicht unbedingt notwendig gewesen, da sie die Geschichte in meinen Augen kaum vorantreiben. Ich hätte mir auch ein wenig mehr von der undurchsichtigen Beziehung zwischen Klara und Sichem erhofft, wobei ich mit deren Ausgang sehr zufrieden bin. In einer solch düsteren Welt sind mir Happy Ends oft zu kitschig, und die Autorin hat es hier wirklich gut gemeistert, aufzuzeigen, wie schwierig das Leben unter solchen Bedingungen ist. Man muss harte Entscheidungen treffen, und selbst wenn man nur das Beste will, stirbt manchmal die Hoffnung. In diesem Sinn fand ich das Buch in dem Genre sehr erfrischend.

Ich denke nicht, dass „Gegen das Zwielicht“ mein letztes Buch von Carolin Kippels bleiben wird, und ich bin sehr froh, dass ich es als Rezensionsexemplar bekommen habe. Es stellt eine schöne Abwechslung dar, ist allerdings für zartbesaitete Romantik-Fans nicht zu empfehlen. Das Ende überrascht, schockiert, und bietet doch eine sehr interessante Ansicht darauf, wie Menschen in Extremsituationen Entscheidungen treffen. Für die Zukunft würde ich mir jedoch noch etwas mehr Tiefgang bei den Charakteren wünschen, die leider etwas zu kurz gekommen sind.

Das E-Book aus dem Hause Ullstein Forever ist unter anderem hier erhältlich: (X)

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2 Gedanken zu “In einer Welt ohne Gnade und Erbarmen…

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