Markus Zusak: Die Bücherdiebin

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Inhalt

In der Himmelstraße 33, im beschaulichen Molching, wohnt die Waise Liesel Meminger bei ihren Pflegeeltern. Hans und Rosa Hubermann könnten unterschiedlicher nicht sein, aber eins verbindet sie – die Liebe zu dem kleinen Mädchen, das sie als Neunjährige aufgenommen haben. Mit ihrem besten Freund Rudi Steiner, der unbedingt einen Kuss von Liesel ergattern möchte, wächst das junge Mädchen in einer Zeit auf, die auch ihre heile Welt bedroht. Ihre Eltern waren Kommunisten. Und ihre Pflegeeltern haben ein Herz für Juden – und wie es der Zufall so will, schuldet Hans Hubermann einem einen Gefallen. Unter Hitlers Regime bleiben Liesel scheinbar ewige Fußballspiele in der Himmelstraße, der Austausch mit Max, dem Juden, den sie im Keller verborgen halten, und die Wörter – Wörter, die schließlich selbst das Herz des Todes berühren. Durch Liesels Aufzeichnungen erfährt dieser, wie ihr Leben verlief, bis sie dreizehn Jahre alt wurde. Er erfährt, wie sie sich in Büchern verliert, wie sie diese kostbaren Schätze von den unmöglichsten Orten stiehlt, und mit ihren Worten den Menschen um sich herum Hoffnung vermittelt. Und dabei bemerkt der Tod, wie weich sein Herz bei Liesels Geschichte wird…

Meine Bewertung

Zuallererst möchte ich betonen, dass „Die Bücherdiebin“ nicht das erste Buch ist, das ich von Markus Zusak lese. „Der Joker“ gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern, wurde mehrfach von mir verschlungen, und hat mir in einigen dunklen Tagen geholfen, weshalb ich mit wahnsinnig hohen Erwartungen an dieses Buch rangegangen bin, die zu einem gewissen Maß enttäuscht wurden. Allerdings lässt sich nicht sagen, dass mir Liesel Memingers Geschichte nicht unter die Haut gegangen ist.

Man sollte schon wissen, dass man keine leichte Kost erwarten darf, wenn man zu diesem Buch greift. Bei Büchern, die die Nazizeit thematisieren, fällt es mir ohnehin immer schwer, das alles zu verdauen, aber „Die Bücherdiebin“ ist da doch nochmal eine Kategorie für sich. Das, was mir teilweise gar nicht dran gefallen hat, war der Schreibstil. Locker, leicht, sehr bildlich, viele Metaphern und Personifikationen, und irgendwie sehr blumig – ein Stil, der für mich eher zum „Joker“ gepasst hat, aber nicht zu diesem Buch. Irgendwie war es einfach fehl am Platz, und das hat mir das Lesen an einigen Stellen wirklich schwer gemacht, weil ich mich nie so ganz reinfinden konnte.

Die Story war hingegen unglaublich gefühlvoll, sehr gut abgestimmt, und auch der Länge angemessen. Zwar hatte ich zunächst das Gefühl, dass sich der Anfang sehr zieht, aber im Laufe der Geschichte merkt man doch, dass die langen Beschreibungen von Liesels Leben wirklich wichtig sind, um die Gedankengänge und Handlungen des Mädchens zu verstehen. Auch die Charaktere fand ich sehr ausgewogen, sie hatten alle ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Beweggründe, und waren dadurch wahnsinnig interessant und ausgereift. In dieser Hinsicht hat Markus Zusak also wirklich alles richtig gemacht. Insbesondere die Freundschaften mit Rudi und Max haben mich Liesel besonders positiv sehen lassen

Der interessanteste Aspekt am Buch ist sicherlich, aus wessen Sicht es geschrieben ist. Am Anfang erscheint es ein wenig seltsam, das Buch aus der Sicht des Todes zu lesen, der Liesels Geschichte anhand ihrer Aufzeichnungen erzählt, allerdings ist es gut durchdacht, und es war dem Autor so auch möglich, ein paar philosophische Ansätze reinzubringen, die aber nicht allzu tief schürfen. Außerdem fungiert der Tod als ein allwissender Erzähler, und kann so auch Einblicke in die Gedankenwelt und Vergangenheit der Nebencharaktere liefern, was dazu führt, dass man selbst für sie ein gutes Gespür bekommt. Außerdem scheint er echt ein netter Typ zu sein. Die Darstellung mag für viele Leser ein kleiner Trost sein. Und selbst der Tod hat ein Herz.

Das Ende wurde ziemlich vorweggenommen. Trotzdem war es dramatisch und angemessen, auch wenn es ein wenig länger hätte sein können – ich hätte gerne gelesen, wie Liesel schlussendlich den Rest ihres Lebens verbracht hat, wie sie nach Sydney kam, und was aus Rudis Vater und Max geworden ist. Außerdem hätte meiner Meinung nach noch ein Bisschen mehr auf Liesels Bücher eingegangen werden können, noch mehr auf ihre Diebstähle – dann wäre für mich auch der Titel des Buches noch ein wenig passender gewesen. So finde ich den doch nicht zu 100 Prozent gerechtfertigt.

Zum Schluss: Das Cover. Hübsch, minimalistisch gehalten, und wirklich aufs Wesentliche beschränkt. Auch absolut passend.

Dieses Buch bedarf definitiv einer großen Packung an Taschentüchern, und ist nichts für Leute, die nicht mehr über die Nazizeit lesen möchten. Andererseits schenkt es Hoffnung und ein wenig Trost, auch wenn es kein besonders glückliches Ende hat – eine bereichernde Lektüre ist es aber allemal.

„Nein, dachte Liesel, während sie nach Hause ging. Mein Herz ist müde. Ein dreizehnjähriges Herz sollte sich nicht so anfühlen“

Das Buch könnt ihr unter anderem hier erwerben: (X)

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2 Gedanken zu “Selbst der Tod hat ein Herz für Bücherdiebe…

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