Bücher · Rezension

Atme, solange du noch kannst…

Sarah Crossan: Breathe – Gefangen unter Glas

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Inhalt

Seit dem Switch, einer Umweltkatastrophe im größten Ausmaß, leben die Menschen unter Glaskuppeln. Sauerstoff ist teuer, und wird von der Firma BREATHE hergestellt. Bea, eine Second, möchte unbedingt in das Trainingsprogramm von BREATHE gelangen, um ihren armen Eltern ein besseres Leben zu ermöglichen. Ihr bester Freund Quinn, ein Premium, musste in seinem Leben noch nie zurückstecken, da sein Vater ein hohes Tier bei BREATHE ist und somit so viel Sauerstoff beschaffen kann, wie die Familie möchte. Bei einem Campingausflug außerhalb der Kuppel treffen sie auf die flüchtende Alina, ein Mitglied der Widerstandsbewegung. Durch Quinns Schwärmerei für das Mädchen werden sie in ein Drama hineingezogen, das ihre schlimmsten Vorstellungen überreicht, und lernen, dass Menschen auch außerhalb der Kuppel überleben könnten – was BREATHE aber die Vormachtstellung auf dem Markt kosten würde. Die Lage eskaliert, als aus dem harmlosen Campingtrip tödlicher Ernst wird – und sich die drei nicht nur aus den Augen verlieren, sondern auch die Frage stellen müssen, ob sie für ihre Freiheit eintreten und sich den Soldaten, die schon auf dem Weg sind, stellen…

Meine Bewertung

Zu sagen, dass Breathe ein schlechtes Buch ist, wäre übertrieben. Allerdings gebe ich offen zu, dass das Cover wirklich das Beste an dem Buch ist (es ist wirklich hübsch gestaltet). Die Geschichte reißt mich nun wirklich nicht so sehr vom Hocker. Es ist das typische Spiel, das man schon kennt:

  1. Böse Regierung
  2. Widerstandsbewegung lehnt sich auf
  3. Protagonisten müssen sich dazwischen entscheiden
  4. Kitschige und unnötige Liebesgeschichte

Die Idee an sich, mit der Kuppel und dem Sauerstoffgehalt, ist wirklich gut ausgearbeitet, auch wenn mich bei manchen Werten der blanke Horror trifft. Die Protagonisten können nicht mit 6% Sauerstoff außerhalb der Kuppel klarkommen, in der Kuppel liegt der Sauerstoffgehalt bei 30% – ziemlich übertrieben, auch wenn die Autorin zumindest ansatzweise versucht, logische Erklärungen dafür zu finden. Ob die medizinisch so korrekt sind, sei mal dahingestellt, aber es wirkt teilweise wirklich lächerlich, wie schnell sich die Protagonisten zum Ende hin plötzlich an weniger Sauerstoff gewöhnen.

Zu den Charakteren muss man sagen, dass sie schön ausgefeilt sind, ihre eigene Geschichte haben, und durch die wechselnden Erzählstrukturen (mal Beas, Quinns oder Alinas Sicht) auch alle mehr oder weniger nachvollziehbare Gedankengänge hegen. Die völlig abstrus zusammenkonstruierte Liebesgeschichte wirkt vor allem in Quinns Fall absolut deplatziert, während sie bei Bea immer noch normal erscheint. Dass Alina nicht weiter nachforscht, wer denn jetzt eigentlich ihr Liebster Abel genau war, der irgendwann einfach auf der Bildfläche erschien, bei den Rebellen aufgenommen wurde, um von BREATHE gekillt zu werden, während ihn aber außer Alina kein anderer Rebell gekannt hat, ist wohl einer der größten Schwachpunkte, die das Buch enthält.

Was mich allerdings besonders enttäuscht hat, ist, dass sich das Buch zwar durchaus als Lektüre zwischendurch eignet, allerdings trotz des ganzen Dramas, das vor allem am Schluss tragisch wird, eigentlich nie ein echter Bezug zu den Charakteren entsteht. Ganz egal, ob Protagonist oder Nebencharakter, waren die Figuren zwar interessant beschrieben, aber gleichzeitig so flach, dass man als Leder keine Bindung zu ihnen empfunden hat. Dadurch kommt einem auch das Drama und ihre Gefühle so nervig vor, dass ich sie zwischendurch gern mal geschüttelt hätte, um adäquate Reaktionen auf ihre Situationen zu bekommen. Da bleibt einem schon fast nichts anderes übrig, als es dem Präsidenten gleichzutun: Lachen und Trinken. Etwas anderes konnte der Kerl auch nicht. Genau das sehe ich als eines der schwerwiegendsten Probleme an Breathe: Die Protagonisten sind zwar schön beschrieben und besitzen, wenn man die Geschichte als Ganzes betrachtet, eine reiche Gefühlswelt, allerdings sind  sie in den einzelnen Situationen, die die Autorin beschreibt, regelrecht flach und eindimensional. Mehr als eine Emotion können sie wohl gleichzeitig nicht zeigen. Schade drum, denn mit etwas mehr Herz und mehr Zeit, die Gefühlswelt der Charaktere und vor allem ihren Antrieb näher zu erkunden, hätte dieses Buch um einiges besser werden können.

Alles in Allem erfüllt Breathe zwar den Zweck, die Zeit zu vertreiben, allerdings bin ich wirklich am Hadern, ob ich mir auch den zweiten Teil antun soll. Aus der Geschichte ließe sich so viel mehr rausholen, allerdings befürchte ich, dass das Potential auch beim nächsten Teil wieder verschenkt wird. Wer sich nachmittags mit ein bisschen altbekannter Dystopie berieseln lassen will, ohne sonderlich viel fühlen zu wollen, dem kann ich Breathe aber auf jeden Fall empfehlen.

„Manche Leute sind dazu bestimmt, uns das Herz zu brechen.“

Erwerben könnt ihr das Buch unter anderem hier: (X)

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